Das Prinzip Riester
Die klassische Riester-Rente bietet eine 100-Prozent-Beitragsgarantie: Zu Rentenbeginn stehen mindestens die eingezahlten Beiträge plus die staatlichen Zulagen zur Verfügung. Diese Sicherheit kostet jedoch Rendite, weil ein großer Teil des Kapitals vorsichtig und damit zinsschwach angelegt werden muss. Ausgezahlt wird lebenslang als verrentetes Kapital, wobei bis zu 30 Prozent zu Beginn entnommen werden dürfen. Für sehr sicherheitsorientierte Sparer bleibt sie eine Option.
Das neue Altersvorsorgedepot
Das ab 2027 geplante Depot verzichtet auf die volle Garantie und darf stärker in Aktien, Fonds und ETFs investieren. Das erhöht die Renditechancen deutlich, bringt aber auch Wertschwankungen mit sich. Über lange Anlagezeiträume von 15 Jahren und mehr haben sich Kursschwankungen an den breiten Aktienmärkten historisch meist ausgeglichen. Vorgesehen sind zudem flexiblere Auszahlungsformen und eine transparente Depotführung, die Sie jederzeit einsehen können.
Kosten im Vergleich
Ein zentraler Kritikpunkt an klassischen Riester-Verträgen waren die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten, die die ohnehin niedrige Rendite zusätzlich schmälerten. Das Altersvorsorgedepot soll bewusst kostengünstiger sein und den Einsatz preiswerter ETFs ermöglichen, deren laufende Kosten oft deutlich unter einem Prozent liegen. Über Jahrzehnte macht schon ein Kostenunterschied von einem Prozentpunkt pro Jahr mehrere Zehntausend Euro Endkapital aus. Achten Sie daher immer auf die Gesamtkostenquote.
Rendite versus Sicherheit
Die zentrale Frage lautet: Wie viel Schwankung können und wollen Sie aushalten? Wer noch 20 oder 30 Jahre bis zur Rente hat, kann zwischenzeitliche Kursdellen aussitzen und profitiert vom Renditevorteil des Depots. Wer dagegen kurz vor der Rente steht, gewichtet Planungssicherheit meist höher und fährt mit einer garantieorientierten Lösung besser. Ein sogenanntes Ablaufmanagement, das gegen Ende automatisch in sichere Anlagen umschichtet, verbindet beide Welten.
Für wen ist was geeignet?
Junge Berufseinsteiger und alle mit langem Anlagehorizont profitieren in der Regel vom renditeorientierten Depot und dem geplanten Berufseinsteiger-Bonus. Familien mit Kindern sollten in beiden Modellen prüfen, wie sie die Kinderzulagen voll ausschöpfen. Sicherheitsbewusste Sparer nahe dem Ruhestand oder mit geringer Risikotoleranz sind mit Garantieprodukten besser aufgehoben. Selbstständige, die von Riester bislang ausgeschlossen waren, sollten die neuen Möglichkeiten prüfen.
Zulagen und Steuer
In beiden Modellen bleibt die staatliche Förderung der entscheidende Vorteil gegenüber ungefördertem Sparen. Grund- und Kinderzulagen sowie mögliche Steuervorteile in der Ansparphase erhöhen die effektive Rendite spürbar. Im Gegenzug wird die spätere Auszahlung nachgelagert versteuert, meist zu einem niedrigeren Steuersatz im Ruhestand. Kursgewinne im Depot bleiben während der Ansparphase von der Abgeltungsteuer verschont.
So gehen Sie vor
Klären Sie zunächst Ihren Anlagehorizont, Ihre Risikoneigung und Ihre Familiensituation, denn diese bestimmen die passende Lösung. Prüfen Sie bestehende Riester-Verträge auf Kosten und Bestandsschutz, bevor Sie über einen Wechsel entscheiden. Oft ist eine Kombination aus renditeorientierten und sicheren Bausteinen sinnvoll. In einer unabhängigen Bestandsaufnahme rechnen wir beide Varianten für Ihre Situation durch und zeigen Ihnen die voraussichtliche Wirkung auf Ihr Endkapital.
